Ein langer Titel für einen Post. Es ist ein Zitat aus einem Text von Nils Koppruch.
Gestern Abend waren wir nämlich bei einer der besten Musik-Veranstaltungen des Jahres in der Phönixhalle in Mainz. Die Rede ist vom Fest van Cleef. Veranstaltet wurde es vom Grand Hotel van Cleef. Kennt Ihr nicht? Nein, das ist kein Hotel, sondern ein Hamburger Plattenlabel.
Gestern Abend nun wurde die Halle auf zwei Bühnen gerockt. Den Anfang machten Beat!Beat!Beat!, laut Pogrammheft die britischste Indie-Band Deutschlands. Diese 4 Jungs sind so unverschämt gut und dabei gerade mal zusammen 78 Jahre alt, dass ich mir am Merchandisingstand gleich mal die CD kaufen musste. So jung und schon so gut…echt eine Frechheit!
Tim Neuhaus liebt,was er tut. Das sieht man gleich, wenn er die Bühne betritt. Er steht da mit seiner Gitarre und grinst von einem Ohr zum andern und singt sich das Herz aus dem Leib. Obwohl er nur einen multitaskingfähigen Schlagzeuger dabei hatte, was bei Rockbands ein Widerspruch in sich ist, entstand da ein unerwarteter Klangteppich. Musikalisch erinnert er mich etwas an The Swell Season. Das Album kommt im Januar und steht ganz oben auf meiner Wunschliste.
Weiter ging’s mit Young Rebel Set. Da standen gleich 7 Leute auf der Bühne. Ich finde es ja schon schwer nur drei Leute unter einen musikalischen Hut zu bringen, aber nachdem ich die ersten beiden Lieder hörte, fand ich’s doch nicht so überraschend – Achtung jetzt wird’s ein bisschen böse – die hörten sich nämlich gleich an. Und wenn man immer den gleichen Beat und das gleiche Geschrammel spielt, ist der Konsenz nicht so weit. Also, mein Ding isses nicht. Zu sehr Hilliebillie, aber auch die hatten ihre Fans und ich muss ja nicht alles mögen.
Der ehemalige Frontmann von Fink, Nils Koppruch, könnte sich mal wieder rasieren. Das war das erste, was ich dachte, als ich ihn sah. Nur wenn er anfängt zu singen, ist das total egal, denn er hat eine Stimme, die jedes ach so kalte Herz erwärmt und schreibt Texte, die so schön sind, dass es wehtut.
der vogel singt nur bis du nach ihm greifst
und alles gold ist kostbar bis du nach ihm greifst
aus silber ist der vollmond nur von weit und die aussicht unerreicht
Und nun kommen wir zu einem echten Barden, adelig noch dazu. Gisbert zu Knyphausen ist nämlich ein echter Freiherr, dessen Familie im Rheingau ein Weingut betreibt. So gibt es mittlerweile auch eine Gisbert Edition, einen Riesling und einen Pinot noir.
Aber nun zur Musik. Gisbert ist ein Singer-Songwriter vom Feinsten. Wie er da gestern Abend so alleine mit seiner Gitarre auf der großen Bühne stand, schien er ob der Begeisterungsstürme des Publikums überrascht und ein bisschen schüchtern. “Gegen Fernweh hilft nur das Heimweh” singt er in “Es ist still auf dem Rastplatz…”, gegen alle Irrungen und Wirrungen und Höhen und Tiefen und Eiseskälte und Hitzewallung hilft Gisbert zu Knyphausen. Im Mittelalter wäre er bestimmt ein Minnesänger gewesen, dem die Burgfräulein zu Füßen gelegen hätten.
An Horse kommen aus Australien und viel mehr kann ich dazu nicht sagen. Nach zwei Liedern hatte ich keine Lust mehr, ihnen zuzuhören. Nach neuhaus, Koppruch und zu Knyphausen konnte ich damit einfach nichts anfangen. Das Duo wird im Programmheft als perfekte Mischung aus AC/DC, White Stripes und Suzanne Vega bezeichnet. Keine Ahnung.
Der Chef vom Fest, Thees Uhlmann, führte nicht nur durch’s Programm, sondern war auch musikalisch zu Gange. Bei seinem Auftritt hatte ich aber diverse Probleme. Zum einen fragte ich mich, ob er hinter der Bühne ein duracelläffchen getroffen hatte, den ungefähr so wirkte er auf der Bühne. Zum andern war ich abgelenkt von seiner Keyboarderin, die, wenn man denn mal ihr gesicht sah, höchstens 13 sein konnte, ansonsten sah sie so aus:
“Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf” ist ein beschissener Titel eines grandiosen Liedes. Nur Thees’ Aussprache ist in all den Jahren nicht besser geworden. Wenn aus Quellen Quälen werden, ist das für meine Ohren ein bisschen schmerzhaft.
Und dann kamen endlich Kettcar. In einem Anfall senilen Wahnsinns hatte ich dem Marathonmann vorgeschlagen uns jetzt mal ganz nach vorne zu wagen. Ich glaube, ich habe das drei lieder lang ausgehalten. Erst war ich total genervt von dem Mädel, das jedes Lied mitgrölte als sei es ein Punksong und das so laut, dass ich den Sänger kaum noch hörte. Dann fingen die Jungspunte auch noch das pogen an. Hä? Bei Kettcar? Das ist die Band, die mich auch nach Jahren noch mit Liedern wie “Landungsbrücken raus” zu Tränen rührt. So zog ich es vor, mich zu den alten Leuten weiter am Rand zu gruppieren. Da war der Sound besser und ich konnte still vor mich hinweinen.
Fazit:
Die Phönixhalle in Mainz ist ein toller Veranstaltungsort und das Fest van Cleef ganz großartig. Wir haben gestern Abend viel gute Musik gehört und eine riesen Menge Talent erlebt. Offensichtlich werde ich alt, denn ich ziehe die hinteren Reihen vor, ohne Leute, die einen ständig anrempeln und falsch singen. Findet ihr spießig? Is mir egal! Mich interessiert nur die Musik.
Noch ein Hinweis: Wenn ihr die Bandnamen anklickt, sollte sich die jeweilige My Space Seite öffnen. Reinhören lohnt sich. Und von mir aus könnt ihr dann auch nach Herzenslust pogen, so lange ich nicht mitmachen muss.