Kategorie: Konzert


Alive and Swingin’

Kurz vorm Abflug noch ein kleiner Bericht.

Gestern Abend besuchten wir die Alive and Swingin’ Tour von Rea Garvey, Sasha, Xavier Naidoo und Michael Mittermeier. Ich bin weder Fan von Rea, Sasha noch Xavier, aber ich liebe Swing und war neugierig, was sie draus machen würden.

Wenn man sich an die ganz großen Klassiker wagt, läuft man auch immer Gefahr an den ganz großen Entertainern gemessen zu werden. Und da muss man schon sagen, dass die drei Sänger dem Original-Ratpack nicht das Wasser reichen können. Ohne Frage sind sie hervorragende Sänger, aber Entertainer eher nicht. Es fehlt das letzte Quentchen dieser unbeschreiblichen Leichtigkeit und Coolness.  Höchstens bei Sasha blitzt da was durch.

In der ersten Konzerthälfte waren die Jungs noch ein bisschen steif, nur Mittermeier als Anheizer war ein Kracher. Ohne ihn wäre die Show nur halb so interessant und unterhaltsam. Er ist einer der wenigen Comedians, die mich wirklich zum Lachen bringen und hinter dessen Zoten bissige Wahrheiten stecken.

In der zweiten Hälfte waren die Barden dann deutlich lockerer. Sashas Udo Lindenberg Parodie war unerwartet und richtig gut. Insgesamt ein schöner Abend mit guten Sängern, einem abwechslungsreichen und langem (fast drei Stunden) Programm und einem fantastischen Michael Mittermeier.

Ein langer Titel für einen Post. Es ist ein Zitat aus einem Text von Nils Koppruch.

Gestern Abend waren wir nämlich bei einer der besten Musik-Veranstaltungen des Jahres in der Phönixhalle in Mainz. Die Rede ist vom Fest van Cleef. Veranstaltet wurde es vom Grand Hotel van Cleef.  Kennt Ihr nicht? Nein, das ist kein Hotel, sondern ein Hamburger Plattenlabel.

Gestern Abend nun wurde die Halle auf zwei Bühnen gerockt. Den Anfang machten Beat!Beat!Beat!, laut Pogrammheft die britischste Indie-Band Deutschlands. Diese 4 Jungs sind so unverschämt gut und dabei gerade mal zusammen 78 Jahre alt, dass ich mir am Merchandisingstand gleich mal die CD kaufen musste. So jung und schon so gut…echt eine Frechheit!

Tim Neuhaus liebt,was er tut. Das sieht man gleich, wenn er die Bühne betritt. Er steht da mit seiner Gitarre und grinst von einem Ohr zum andern und singt sich das Herz aus dem Leib. Obwohl er nur einen multitaskingfähigen Schlagzeuger dabei hatte, was bei Rockbands ein Widerspruch in sich ist, entstand da ein unerwarteter Klangteppich. Musikalisch erinnert er mich etwas an The Swell Season. Das Album kommt im Januar und steht ganz oben auf meiner Wunschliste.

Weiter ging’s mit Young Rebel Set. Da standen gleich 7 Leute auf der Bühne. Ich finde es ja schon schwer nur drei Leute unter einen musikalischen Hut zu bringen, aber nachdem ich die ersten beiden Lieder hörte, fand ich’s doch nicht so überraschend – Achtung jetzt wird’s ein bisschen böse – die hörten sich nämlich gleich an. Und wenn man immer den gleichen Beat und das gleiche Geschrammel spielt, ist der Konsenz nicht so weit. Also, mein Ding isses nicht. Zu sehr Hilliebillie, aber auch die hatten ihre Fans und ich muss ja nicht alles mögen.
Der ehemalige Frontmann von Fink, Nils Koppruch, könnte sich mal wieder rasieren. Das war das erste, was ich dachte, als ich ihn sah. Nur wenn er anfängt zu singen, ist das total egal, denn er hat eine Stimme, die jedes ach so kalte Herz erwärmt und schreibt Texte, die so schön sind, dass es wehtut.

der vogel singt nur bis du nach ihm greifst
und alles gold ist kostbar bis du nach ihm greifst
aus silber ist der vollmond nur von weit und die aussicht unerreicht

Und nun kommen wir zu einem echten Barden, adelig noch dazu. Gisbert zu Knyphausen ist nämlich ein echter Freiherr, dessen Familie im Rheingau ein Weingut betreibt. So gibt es mittlerweile auch eine Gisbert Edition, einen Riesling und einen Pinot noir.
Aber nun zur Musik. Gisbert ist ein Singer-Songwriter vom Feinsten. Wie er da gestern Abend so alleine mit seiner Gitarre auf der großen Bühne stand, schien er ob der Begeisterungsstürme des Publikums überrascht und ein bisschen schüchtern. “Gegen Fernweh hilft nur das Heimweh” singt er in “Es ist still auf dem Rastplatz…”, gegen alle Irrungen und Wirrungen und Höhen und Tiefen und Eiseskälte und Hitzewallung hilft Gisbert zu Knyphausen. Im Mittelalter wäre er bestimmt ein Minnesänger gewesen, dem die Burgfräulein zu Füßen gelegen hätten.

An Horse kommen aus Australien und viel mehr kann ich dazu nicht sagen. Nach zwei Liedern hatte ich keine Lust mehr, ihnen zuzuhören. Nach neuhaus, Koppruch und zu Knyphausen konnte ich damit einfach nichts anfangen. Das Duo wird im Programmheft als perfekte Mischung aus AC/DC, White Stripes und Suzanne Vega bezeichnet. Keine Ahnung.

Der Chef vom Fest, Thees Uhlmann, führte nicht nur durch’s Programm, sondern war auch musikalisch zu Gange. Bei seinem Auftritt hatte ich aber diverse Probleme. Zum einen fragte ich mich, ob er hinter der Bühne ein duracelläffchen getroffen hatte, den ungefähr so wirkte er auf der Bühne. Zum andern war ich abgelenkt von seiner Keyboarderin, die, wenn man denn mal ihr gesicht sah, höchstens 13 sein konnte, ansonsten sah sie so aus: “Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf” ist ein beschissener Titel eines grandiosen Liedes. Nur Thees’ Aussprache ist in all den Jahren nicht besser geworden. Wenn aus Quellen Quälen werden, ist das für meine Ohren ein bisschen schmerzhaft.

Und dann kamen endlich Kettcar. In einem Anfall senilen Wahnsinns hatte ich dem Marathonmann vorgeschlagen uns jetzt mal ganz nach vorne zu wagen. Ich glaube, ich habe das drei lieder lang ausgehalten. Erst war ich total genervt von dem Mädel, das jedes Lied mitgrölte als sei es ein Punksong und das so laut, dass ich den Sänger kaum noch hörte. Dann fingen die Jungspunte auch noch das pogen an. Hä? Bei Kettcar? Das ist die Band, die mich auch nach Jahren noch mit Liedern wie “Landungsbrücken raus” zu Tränen rührt. So zog ich es vor, mich zu den alten Leuten weiter am Rand zu gruppieren. Da war der Sound besser und ich konnte still vor mich hinweinen.

Fazit:

Die Phönixhalle in Mainz ist ein toller Veranstaltungsort und das Fest van Cleef ganz großartig. Wir haben gestern Abend viel gute Musik gehört und eine riesen Menge Talent erlebt. Offensichtlich werde ich alt, denn ich ziehe die hinteren Reihen vor, ohne Leute, die einen ständig anrempeln und falsch singen. Findet ihr spießig? Is mir egal! Mich interessiert nur die Musik.

Noch ein Hinweis: Wenn ihr die Bandnamen anklickt, sollte sich die jeweilige My Space Seite öffnen. Reinhören lohnt sich. Und von mir aus könnt ihr dann auch nach Herzenslust pogen, so lange ich nicht mitmachen muss. ;-)

‘Türlich ‘türlich!

IMG_1957Gestern waren wir in der Jahrhunderthalle beim Konzert vn Jan Delay. Vorher machte ein Dejay feine Tanzmucke und dann kam noch Das Bo. Als alter Hamburger Kumpel von Jan Delay durfte er da einige Stücke rappen und Werbung für seine neue Platte machen. Das fand ich ziemlich schrecklich. Der Typ rappt nur über sich, von wegen ich bin Das Bo, ihr wollt das Bo, Das Bo ist der Größte.
IMG_1965b Gott sei Dank dauerte das nicht so lang und dann rockte Jan Delay die Bühne. Super Band, die Background Mädels erstklassig. IMG_1962b Mann, was würde ich geben so singen zu können. Ja und Jan Delay ist einfach eine coole Socke. Leider konnte ich keine besseren Fotos machen.
Sollte ich nochmal in die Jahrhunderthalle kommen, dann nur mit Karten für die Loge. Unten sieht man einfach zu wenig. Einerseits ist die Bühne nicht sehr hoch. Andererseits stellen sich immer irgendwelche stinkende, behefte Typen vor einen. Ich kann das einfach nicht mehr. Ich mochte es noch nie, wenn es so eng ist, dass mir Leute auf die Füße treten. Und ich mag auch nicht mit fremden, verschwitzten Menschen quasi kuscheln. Außerdem brauche ich Platz zum Tanzen. Ich glaub, ich werde alt.

Die aktuelle Platte von Jan Delay heißt übrigens Wir Kinder vm Bahnhof Soul, den Vorgänger Mercedes Dance kann ich auch wärmstens empfehlen.

Shake Baby, Baby Shake!

Am gestrigen Abend versammelte sich ein gut gelauntes, bunt gemischtes und ziemlich entspanntes Völkchen vor der Frankfurter Jahrhunderthalle, um zum amtierenden Musikkönig Peter Fox vorgelassen zu werden.

Das Konzert begann mit einer tollen Sängerin namens Oceana und ihrer Band. Die Frau rockt und wenn ihr eine Mischung aus soul, Reggae und Dancehall mögt, dann solltet ihr dieses Energiebündel dringend im Auge bzw. Ohr behalten! Zum Vorkosten hab ich für euch das Video ihrer demnächst erscheinenden Single “Cry Cry” rausgesucht. Das ist ein ruhigerer Song, aber ich verspreche euch, die Lady geht auf der Bühne wirklich ab.

Aber nun zum Besten, was der deutsche Musikmarkt zur Zeit zu bieten hat. Peter Fox lieferte eine fette Show zusammen mit den ultracoolen Trommlern Cold Steel und einer großartigen Band. Da seine Platte nunmal nur 12 Lieder umfasst, spielte er auch Songs von Seeed. Außerdem gab’s einen Gastauftritt von Miss Platnum und auch der aus Friedberg stammende J-luv durfte einen Song trällern.

Eine riesige Videoleinwand sorgte für passende Bilder. Die Stimmung war großartig, eine einzige Party, und auch Peter Fox und die Band hatten sichtlich Spaß auf der Bühne.  Für Fox war es der erste Gig in Franfurt, aber ich denke wir haben gestern dafür gesorgt, dass es nicht der letzte war.

Bei YouTube habe ich einen Mitschnitt von gestern Abend entdeckt:


Und das Licht ging aus

Das Licht ging aus und die Vorband betrat die Bühne. Bassist, Drummer und ein Typ mit ‘ner Gitarre. Ups, das war ja gar kein Typ, sondern eine Frau. Ok, sie hatte lange Haare, aber das heißt ja nix, von der Bewegung her hätte ich schwören können, dass es sich um einen Mann handelte.

Diese Frau oder sagen wir mal dieses (mitt-endzwanziger) Mädchen, mit der Attitüde einer Rotzgöre, putzte sich demonstrativ die Nase am Ärmel ab und fand es total witzig dem Bassisten und sich selbst Wasser über den Kopf zu schütten. Überhaupt trank sie aus der Wasserflasche als sei’s ‘ne Whiskybuddel. Haha, wie lustig!

Immerhin, sie beherrschten ihre Instrumente. Das war’s aber auch. Deutsche pseudo-kritische, möchtegern-intellektuelle Texte, gespickt mit reichlich lalala, dadada und tsiggeditsigge. Echt eine Beleidigung für meine Ohren.

Im Publikum gab’s einige, die klatschten, aber es waren auch deutliche Buhrufe zu vernehmen. Einmal sang sie, mein Liebster hat mich verlassen und ich sagte, is ja kein Wunder. Als sie verkündete, dass nun das letzte Lied komme, dankte ich dem da oben und das Publikum spendete jubelnden Applaus.

Nach einer kleinen Umbauphase ging das Licht erneut aus und mit der Verzögerung einer halben Sekunde, fing die Menge an zu toben. Die Band und die Brote betraten endlich die Bühne!

Die Jungs gaben mächtig Gas. Alles sprang auf und ab. Sie spielten diese geniale Superpunk Version von Bettina. (Name anklicken und anschauen.) Großartig! Ich liebe Bläsersätze!

Künstler versuchen ja gerne eine Verbindung mit dem Publikum aufzubauen, in dem sie zeigen, dass sie was über die Stadt, in der sie sich befinden, wissen. Die Brote konnten ja nicht ahnen, dass das mit Offenbach nicht so richtig funktioniert. *grins* Als also Offenbach am Main begrüßt wurde und kein so richtiger Jubel aufkommen wollte, wurde erstmal gemutmaßt, dass es sich wohl um den falschen Fluss handelte. Nee, war schon richtig, aber is halt Offenbach.

Ich glaube es war Koenig Boris, der sich anbot Offenbach ganz nach vorne zu bringen und dabei sogar Buhrufe erntete. Die Brote meinten dann, achso, ihr seid gar keine Offenbacher! Und sprachen uns dann mit Leute aus dem hessischen Umland an. Ich frage mich, ob einem sowas auch in anderen Städten passieren kann. So in Bielefeld, oder so.

Jedenfalls ging ordentlich der Punk ab. Emanuela, Tage wie dieser, Schwule Mädchen, Erdbeben…jede Menge Hits halt außer Nordisch by Nature. Bei You Tube gibt’s ein paar Mitschnitte aus Offenbach zu sehen.

Ich für meinen Teil hab mächtig abgetanzt und so hatte ich dann auch kein schlechtes Gewissen mehr, dass ich es die Woche nicht ganz so oft zum Sport geschafft habe. Und der Marathonmann hatte, glaube ich, auch Spaß.

In Zweierreihe zum Konzert

Ich hatte dem Marathonmann zum Geburtstag Karten für ein Fettes Brot Konzert geschenkt. Gestern war es soweit und wir machten uns auf den Weg zu Offenbacher Stadthalle.

Dort angekommen bot sich uns ein befremdliches Bild. Die Musikbegeisterten standen in einer quasi kilometerlangen Zweierreihe und warteten brav auf den Einlaß. Wir diskutierten kurz die Möglichkeit, ob die vielleicht alle ehemalige Waldorfschüler waren. Tatsächlich ist das aber doch eher was typisch Deutsches. In der Schlange stehen können wir gut. Und nach einem kurzen rebellischen Aufbegehren des Marathonmannes mit dem Vorschlag es mal mit “aktivem Anstellen” zu versuchen, beugten auch wir uns dem Gruppenzwang und stellten uns hinten an.

In der Halle suchten wir uns ein Plätzchen im hinteren Bereich. (In unserem Alter stürzt man sich nicht mehr so ins Getümmel, man muß ja vieleicht doch öfter aufs Klo.) Von da konnte man auch schön die anderen beobachten.

Ich zuckte kurz zusammen als ich einige Mädels mit Handtäschchen überm Arm entdeckte. Waren wir vielleicht aus Versehen in Wiesbaden gelandet? Nee, das war schon Offenbach. Also hatten sich wohl ein paar Wiesbadener in die Slums getraut? Aber vielleicht macht man das heute so. Mist, und ich dachte ich sei trendy!

Dieses Pärchen vor uns, sie im Rollkragenpulli, er mit zurückgegelten Haaren, das während des gesamten Konzerts regelrecht stoisch da stand, während alle anderen hüpften, was da Zeug hielt, mußte wirklich aus Wiesbaden sein. (Ach, lästern ist doch was Feines!)

Noch eine andere Spezies fiel uns auf: Kinder. Und natürlich Elternteile dazu.  Also, wenn ich eine wild vor sich hin pubertierende 14jährige zuhause hätte, würde ich wahrscheinlich auch lieber mitgehen, um die Lage einigermaßen unter Kontrolle zu haben. Aber ich würde mein Geld doch lieber in einen Babysitter investieren, als meinen 8jährigen, der sich wie ein Ninjaturtle aufführt, mit zum Konzert zu schleifen. Naja, ich hab ja keine Kinder, also kann ich da nicht mitreden.

Irgendwann ging das Licht aus und es kam die unsägliche Vorband. Aber das erzähl ich euch morgen.

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